Im Strudel von Gewalt und Drogen

Aktualisiert: Nov 16



Die Wahrheit ist nicht immer angenehm das wissen wir. Und dass die Drogenwelt mit harten Bandagen kämpft, ist ebenfalls bekannt.

Die Geschichte an sich ist spannend, aber.. . ob man wirklich in einem Roman, sei es auch in einem Kriminalthriller, auf jeder Seite von mindestens drei Morden lesen muss, sei dahingestellt.

Die Geschichte ist zwar spannend an sich, jedoch wird von einem Mißerfolg nach dem anderen berichtet, da wünscht man sich schon etwas Abwechslung und so ab und an auch etwas Positives. Nichts für ungut, aber auch ein Thriller kann manchmal einige Highlights aufweisen.

Auf der anderen Seite ist es leider die harte Realität, wie es in der "Drogenindustrie" zugeht und wie korruptierbar viele Menschen sind, bis hin höchste Positionen. Nicht für Ehre, sondern für Geld.

Das Kartell, Don Winslow, Verlag Droemer


Die Tragödie der Außenstehenden


Und das Drama nimmt seinen Lauf: was wiegt mehr? Antisemitismus oder Rassismus? Darf eine jüdische Mutter über einen Schwarzen schimpfen, der ihr Kind getötet hat oder muss sie sich auf Anforderung von schwarzen Interessenverbänden erklären und entschuldigen?

Ein schwarzer Schüler fällt kurz darauf auf einer Party tot um. Drogen! Hatte er ein Drogenproblem? Doch bei den Recherchen von Polizei und Familien keimt der Verdacht auf, dass ein jüdischer Mitschüler irgendwie darin verwickelt sein könnte und der nun - mitsamt seiner Familie - wiederum antesemitischer Anfeindungen ausgesetzt ist. Wo liegt die Wahrheit und welche Befindlichkeiten und Schwächen tauchen auf, die eigentlich niemand wissen sollte. Spannend ist das Buch - obwohl kein Krimi - und wir Leser wollen wissen, "Was ist nun wirklich gewesen"

"Wo der Wolf lauert", Ayelet Gundar-Goshen ; Verlag: Kein&Aber



Die Wunde eines Lebens

Es ist die Wunde eines Lebens, wenn ein Elternteil - in diesem Roman die Mutter - dem Alkohol verfallen ist. Mit drei Kindern - von zwei Vätern - wohnt die wunderschöne Agnes erst in einem Arbeiterviertel - dann in einem Elendviertel Glasgows. Den Schwierigkeiten des Lebens kann die bis fast zum Schluss stets gepflegte Mutter nur mit tassenweise, nachher flaschenweise Alkohol widerstehen. Die älteste Tochter will nur noch raus aus diesem Leben und rettet sich nach Afrika. Nach einer gescheiterten Trockenperiode - flüchtet auch der zweite Sohn, er ist zu frustriert und hat nun ebenfalls die Hoffnung aufgegeben. Die Hoffnung stirbt für den kleinen Shuggy erst am Schluss, nachdem er jahrelang dem Verfall der Mutter zugesehen hat. Verstärkt wird das Elend durch die gnadenlosen Schikanen der Mitbewohner gegen den etwas anderen Shuggy. Der Kampf gegen den Alkoholismus ist nicht nur das Leiden der Trinker selber, sonder auch - und vor allem - der der Kinder.

Shuggy Bain, Douglas Stewart, Hanser Literaturverlage.

Lesung in Köln am 29.9.2021 um 19.30 im Literaturhaus

Aus Brotkrümeln Schachfiguren basteln ist wie aus der Not eine Tugend machen. Zwei Werdegänge zu Schachmeistern erzählt Stefan Zweig in seiner Schachnovelle. Eindrucksvoll umgesetzt hat dies der Künstler Didi Jünnemann. 40 Szenen zeichnete er und spricht die jeweiligen Kapitel zu seinen Zeichnungen. Der eine Werdegang ist die eines Jungens, der, früh entdeckt, zum Schachweltmeister avanciert. Auf einem Schiff trifft er schließlich auf den anderen Werdegang: der eines ehemaligen Nazigefangenen, der in seiner Haft eben mit Brotkrümeln, die zu Schachfiguren geformt wurden, auf einer karierten Bettdecke Schach spielte. Somit überstand er die Qualen des Gefängnisses. Diese beiden unterschiedlichen Charaktere treffen nun in einer spannenden Schachpartie aufeinander.... Didi Jünnemann zeichnet dies mit ausdrucksstarken Gesichts-Mimiken und wunderbaren Szenedarstellungen und spricht alle Persönlichkeiten viel Inbrunst und Empathie selbst. Sehen- und Hörenswert. Zu sehen im Altenberger Hof, Mauenheimer Str. 92, 50733 Köln-Nippes. www.didijuennemann.de/schachnovelle

Fotos der Zeichnungen: Gerburg Stoffel

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