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Bücherregal

Täler der Befindlichkeiten



Wie viele Rückschläge muss ein Mensch erleben, um zu seinem Glück zu finden und wie groß ist sein eigener Anteil an diesen Tiefen? Daniel hat in seinen Tagen als Student in Amerika seine damalige Freundin im Stich gelassen und ist per se ein wankelmütiger, sprich nicht ganz stabiler, Charakter. Er bringt eine Ehe hinter sich und schafft es nicht, den regelmäßigen Kontakt zu seinen beiden Kindern zu erkämpfen. Frustriert trifft der Linguistik-Professor bei einem Ausflug nach einem Seminar in Irland unverhofft auf den ehemaligen Filmstar Claudette Wells. Diese hatte sich in einer hauruck Aktion aus der Glamourwelt verabschiedet. Gemeinsam bauen sich die beiden ein neues. zartes, wackeliges Patchwork-Leben auf, mit ihrem Sohn, auch mit gemeinsamen Kindern und peu à peu mit seinen beiden Kindern. Doch der Unfalltod seiner Tochter und der nun bekannt gewordene Tod damals seiner Freundin wirft Daniels abermals völlig aus der Bahn. Dank der Hilfe seines ältesten Sohnes findet er langsam zu sich zurück und zu seiner großen Liebe.

Hier muss es sein, Maggie O´Farrell, Verlag Piper










Hinter der glänzenden Fassade


Es ist das, was Du nicht sagst, sagt der nicht ganz akzeptierte Ehemann zu der ach so erfolgreichen Anwältin. Joy steht fast davor, Partnerin zu werden in der renommierten Kanzlei und eigentlich läuft ja alles glatt. Doch da sind so ein paar Wellen hinter der glänzenden Fassade, durch die die so patent wirkende Joy anfängt zu straucheln und bewusst anfängt, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben. Auch wenn die Thematik interessant ist, ist sie ja nicht ganz unbekannt, auch wenn diese es öffentlich nicht zugeben. Dies wird nun in rasanter Art und Weise beschrieben, ohne Kommata, was ehrlich gesagt, nicht so ganz mein Ding ist.


Joy, Jonathan Lee, Verlag Diogenes













Aufrichten und Krone richten, positiv denken


Philip Carey lebt nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens. Nicht nur, dass er Waise ist und bei seinem kühlen Onkel und dessen Frau aufwachsen muss. Er ist auch noch mit einem angeborenen Klumpfuß belastet, der ihn dem Spott seiner Mitschüler aussetzt. Dessen schämt er sich - lässt ihn aber nicht verzagen. Der Kunst zugewandt, geht er zunächst nach Paris, um dort aber festzustellen, dass er keinerlei Talent hat. Darüber hinaus kommt er auch finanziell gerade so zurecht, was ihn jedoch nicht von einer gewissen Großzügigkeit abhält. Diese nützt eine gewisse Dame namens Mildred schamlos aus, an die er sein Herz verliert ohne zu merken, dass sie ihn fast mit in den Abgrund zieht. Parallel dazu fängt er am Hospital ein Medizinstudium an, welches natürlich mit hohen Kosten verbunden ist. Um aus seiner finanziellen Misere herauszukommen, spekuliert er mit Aktien und verliert prompt im zweiten Versucht fast sein ganzes Geld und durch die krankhafte Reaktion Mildreds sein Hab und Gut. Wieder muss er neu anfangen und verdingt sich seinen Lebensunterhalt, da er sich das Medizinstudium nicht mehr leisten kann, als ` Mädchen für alles´ in einem Warenhaus. Gerade für die heutige Zeitgenossen ist es schön zu lesen, dass jemand, der nicht gerade mit einem goldenen Löffel geboren ist und diverse Schicksalsschläge erleben muss, es trotzdem - auch mit zeitweiliger Niedergeschlagenheit - schafft, sich immer wieder aufzurichten, nach vorne zu schauen und positiv zu denken und sein Glückzu finden, ohne selbst anderen zu schaden.

Der Menschen Hörigkeit, W. Somerset Maugham, Verlag Diogenes




Wo komme ich her, wo gehöre ich hin


Dejà vu : bei den momentanen Ereignissen wird völlig vergessen, dass es so etwas ähnliches ja schon mal gab. Zwar nicht in dem jetzigen Ausmaß, für die damals Betroffenen wahrscheinlich schon. Im Jugoslawien-Krieg der 80er Jahre wurden ebenfalls Dörfer zerrissen und es kämpften Völkerstämme eigentlich eines Landes gegeneinander. Der 1978 im bosnischen Visegrad geborene Sasa Stanisic erzählt von seiner Kindheit, seiner besonderen Beziehung zu seiner Großmutter mit kleinen und feinen Anekdoten in der unverwechselbaren Sprache der Jugend. Doch die Familie muss flüchten und so muss sich der junge Sasa in Deutschland zurechtfinden und in der oft gnadenlosen jugendlichen Gesellschaft zurecht finden.

Mit einer Prise von Humor, der adäquaten Großspurigkeit und der doch sehr sozialen Verbindlichkeit zu seiner Familie behauptet sich Sasa auch in seiner neuen Heimat und findet seinen Platz in seinem `anderen´ Leben.


Herkunft, Sasa Stanisic, Verlag btb









































Die andere Welt von Erich


Es ist nicht nur, dass die Welt der besonderen Autisten noch nicht erkannt und diagnostiziert war, erschütternd ist zu lesen, wie grausam doch manche Menschen waren...oder noch sind?

Es ist die Geschichte des kleinen Erichs, der unter die Fittichen des Arztes Dr. Hans Asperger mit der Unterstützung der liebevollen Viktorine gerät. Der Mediziner und seine Assistentin erkennen die besonderen Fähigkeiten des Jungen und versuchen diese zu fördern, wobei die Rolle des Arztes nicht ganz klar ist. Welche Verbindung besteht wirklich zu dem Wiener Kinderheim Spiegelgrund, in dem die Kinder grausam gequält werden. Während ihrer Recherche - in den 80er Jahren - gerät die Psychologiestudentin Sophie auf die Spuren dieser Ereignisse und gerät in ihren Bann und kann schließlich nachvollziehen, was Dr. Asperger zu seinen Handlungsweisen veranlasst hat….Mir stellt sich allerdings die Frage, ob die Menschen...auch hier in Deutschland sowie in Österreich und auf der ganzen Welt, wirklich menschlicher geworden sind oder ist die ganze zur Schau getragene Betulichkeit reine Show.


Aspergers Schüler, Laura Baldini, Verlag Piper
























Abriss eines Lebens


Später ist man bekanntlich immer schlauer Doch wenn man in gewisse Situationen kommt, ist eine gefühlsmäßige Schwäche häufig unüberwindbar. Dies muss die fast 70jährige Israelin Rivi Greenfeld auch erkennen, als sie angesichts des Verlassens ihrer Wohnung auf ihr gefühlsbestimmtes Leben zurück schaut. Es ist eine Zwangsräumung, die auf sie zukommt und beim Zusammenpacken ihrer Habe kommt sie ins Grübeln. Sie hat sich quasi immer zur Gespielin diverser machthungriger Männer machen lassen. Die Meetoo-Fraktion wird aufschreien, da diese Männer Rivi ganz klar ausnutzen...aber sie ist immer im vollen Bewusstsein in diese Abhängigkeiten geraten und hat die Spielchen lange mitgetrieben, auch wenn längst klar war, wo der Hase langläuft.

Auch ihr Widerstand gegen die unabänderliche Tatsache des Neuanfangs, der wiederum in seiner Dauer unsicher ist, ist eine wacklige Angelegenheit. Auch wenn der aktuelle Showdown bei Fertigstellung des Buches noch nicht erfolgt ist, kann man beim Durchlesen erahnen, dass das Leben bis dahin irgendwie menschlich war.

Nur nicht zu den Löwen, Lizzie Doron, Verlag dtv















Rassismus von allen Seiten

Es sind jetzt keine Vorbehalte, aber wer glaubt, dass nur farbige oder anders kulturelle Menschen, hinten anstehen oder rassistisch sind, der täuscht sich. Die weiße Mary Pat lebt in einer "schwarzen " Gemeinde und ist im Abseits des Lebens. Ihr Sohn stirbt am "Goldenen Schuss" und ihre Tochter gerät in schlechte Gesellschaft und wird getötet. Da jedoch gleichzeitig einer aus der Gemeinde getötet wird, ist sie rassistischen Anfeindungen seitens der schwarzen Bevölkerung ausgesetzt. Die gegenseitigen Rachefeldzüge - äußerst brutal geschildert - können eigentlich nur zu einem führen - zum Mord. Es ist natürlich sehr real, was sich in den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten abspielt, trotzdem will man ja eigentlich wieder einmal etwas Schönes lesen. Ich zumindest.

Trotzdem ein interessantes Buch.

Sekunden der Gnade, Dennis Lehane, Verlag Diogenes



























Antiquierte Melodien mit wunderschönem Zauber

Es liest sich endlich wieder einmal wie ein Buch, die Geschichte des jungen Adrià. Aufwachsend quasi im Antiquariat seines Vaters, soll er die ehrgeizigen Pläne seiner Eltern befriedigen, die ihn zu einem Genie gleich auf mehreren Gebieten sehen möchten. Zwar gehört seine Liebe einer Geige, aber nicht dem Leben eines Geigers. Und diese Geige, eine Storioni, wird der Familie - und dazu das Leben und Verhalten des Vaters - zum Verhängnis. Trotz Intrigen, Mord und allem was dazugehört, ist das Buch wunderbar lesenswert, gespielt in Barcelona und untermalt mit italienischen Nuancen.

Das Schweigen des Sammlers, Jaume Cabré,

Büchergilde Gutenberg






























Wurzeln oder Herkunft

Auf der Suche nach seiner Herkunft erlebt man ja manchmal Überraschungen. Doch wenn man einmal Glück hat sind diese doch ganz positiv. Als die Mutter von der 14 jährigen Billie verstirbt, ist das Mädchen zutiefst geschockt. In armen Verhältnissen aufwachsen - in denen z.B. Urlaub ein Fremdwort ist, hatte Billie jedoch eine phantasievolle Mutter, die ihr das Leben mit allen möglichen Einfällen schön machte. Verloren, wie sie sich fühlt, will Billie nun endlich wissen, wer ihr Vater ist und begibt sich auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise mit erstaunlichem Ausgang. Wundervoll geschrieben mit viel Einfühlsamkeit ohne depressiv zu werden.

Elena Fischer, Paradise Garden, Verlag Diogenes




























Verrat der Ideale

`Eine Leiche im Keller´ hat fast jeder; erst recht aus der Jugend, in der man noch Ideale hatte. Dass sich einer der Idealisten jedoch als Judas entpuppt, hätte damals keiner gedacht. Daher kommt die Erkenntnis Jahre später um so heftiger, vor Gericht. Erzählerin ist Anna, Lehrerin an einer Londoner primary school, die anlässlich dieses Gerichtsprozesses auf ihre Vergangenheit trifft. Einst war sie Mitglied in einem subversiven Orchester, verrät Hartmann, wo sie in Kontakt mit jenem Rumpelstilzchen kommt, einem scheinbaren Freund, der nun die illegalen Aktionen seiner ehemaligen Freunde vor der Anklagebank aus ausbreitet. Die Kritikerin sieht hier klare Bezüge zu aktuellen Debatten um die Strafbarkeit von Aktivismus, aber auch zur drohenden Spaltung der englischen Gesellschaft durch Politik, Corona und Schulen. Besonders überzeugt sie der Detailreichtum der Erlebnisse Annas, die auch durch ihre Familie sowie eine Vergewaltigung traumatisiert ist. Wenn Kennedy davon immer wieder in Abschweifungen erzählt, ist man als Leser erst irritiert, dann gefesselt.


Als lebten wir in einem barmherzigen Land

A.L. Kennedy

Verlag Hanser

















Reden ist Silber, Schweigen ist nicht Gold

vor allem, wenn es um Familientragödien geht. Nichts ist schlimmer in einer Familie, wenn irgendetwas Dramatisches verschwiegen wird. Doch es passiert immer wieder, auch heute noch. Die junge Engländerin Gwen hat deutsche und polnische Vorfahren über deren Schicksal aber nicht so richtig geredet wird. Dann überredet ihre Tante Lily sie zu einer Reise in die Vergangenheit, nach Polen, was den Stein ins rollen bringt. Was war damals wirklich geschehen und wie und warum ist ihre Mutter zu Tode gekommen. Und auf einmal stellt sich heraus, dass es noch ein Familienmitglied gab, über dessen Existenz ebenfalls geschwiegen wurde. Dann muss doch die mondäne Großmutter zu Rate gezogen werden - auch aufgrund vieler Briefe einer nahestehenden früheren Freundin - und diese fliegt tatsächlich aus dem Exil aus Chile ein. Es ist sehr interessant zu lesen, wie doch viele Schicksale miteinander verwoben sind und vor allem die kleine aber feine Realität, dass jemand doch eine ganz andere Rolle einnimmt, als bisher angenommen. Ein Blick zurück mit viel Sentimentalität aber ohne Kitsch.

Portrait einer grünen Wandfarbe, Elisabeth Sandmann, Verlag Piper






Ein Nigeria, zwei Welten, doch eine Gemeinsamkeit: Gewalt

Eniola und Wuraola gehören in dem afrikanischen Land zwei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an. Eniola sackt durch den Arbeitsverlust seines Vaters immer mehr in die Armut ab und sieht sich in der Schule, abgerutscht von einer teuren Privatschule in die staatliche Gemeinschaftsschule immer mehr Angriffen ausgesetzt. Er wird Opfer einer kriminellen Acquise. Wuraola hat scheinbar Glück in ihrem Leben. Sie stammt aus einer betuchten Familie, ist Assistenzärztin und einen Verlobten aus den guten Kreisen. Doch dieser entpuppt sich ebenfalls als Gewalttätig. Durch verschiedene Gelegenheiten, auch politischen, verflechten sich die Schicksale der beiden Familien auf tragische Weise bis zum gewaltsamen, traurigen Finale.

Das Glück hat seine Zeit, Ayòbàmi Adébàyò, Verlag Piper














Wenn ein Buch erzählt


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, das gilt auch für einen Roman. "Die Rebellion", von Joseph Roth, eine Geschichte unter anderem über einen Leierkastenmann, includiert des Schicksals des österreichischen Autors, steht während des zweiten Weltkriegs auf dem Index der Nazis. Es wird versteckt, gerettet und schließlich wiederentdeckt, von einer deutsch-amerikanischen Künstlerin. Lena macht sich auf die Reise nach Deutschland - nicht wissend per Handy gestalkt von ihrem Ehemann - um eine in dem Buch verzeichnete Karte zu entschlüsseln. In Berlin wird ihr ihre Handtasche, mitsamt des Buches gestohlen. Dieses wird nun wieder gerettet und die abtrünnige Lena beginnt ein erotisches Intermezzo mit dem Retter Armin. Interessant ist, dass die Geschichte aus der Sicht und Ich-Form des Buches erzählt wird, immer wieder gekonnt und gezielt abschweifend in die Vergangenheit von Joseph Roth und seiner tragischen Ehe mit einer psychisch labilen Gattin. Etwas überflüssig ist ein Anschlag und die Figur eines Schurken.

Echos der Vergangenheit, Hugo Hamilton, Verlag Luchterhand


















Hart aber herzlich

Rauhe Schale, weicher Kern: so ist Britta nun mal. Als der junge Adam, durch Drogengeschäfte in Schwierigkeiten geraten, bei der alten Dame - immerhin 86 - auf der kleinen schwedischen Insel ins Fenster einsteigt, weißer noch nicht, was ihm im Sommer blüht. Doch blühen ist ja etwas schönes Positives. Britta, gemeinsam mit ihrer ebenso alten Freundin Iris, nimmt den jungen, im Grunde seines Herzens guten und ehrlichen Mann - an die Kandarre, nimmt ihn bei sich auf und lässt ihn hart arbeiten. Doch so langsam aber sicher - wie soll es anders sein - entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den Dreien. Diese Idylle können die zunächst skeptischen Kinder Brittas nicht stören. Doch schließlich sehen alle ein, dass die drei nur gewinnen können. An Zuwendung, Wärme, Hilfe und Lebenserfahrung, so dass sich für Adam doch wieder vieles zum Guten wendet. Schön zu lesen.

Vielleicht der schönste Sommer, Eleonore Holmgren, Verlag DTV


























Eine herrlich sanfte wilde Kindheit


"Torwart" wollte der kleine Patrick Nothomb werden. Leicht verzärtelt von Mutter und Großmutter der belgischen Haute Volée, landet er schließlich - auf Bestreben seines Großvaters - bei den anderen Verwandten seines verstorbenen Vaters in dem herrlich verwilderten und halb verfallene Schloss und der nicht weniger verwilderten Halbgeschwisterschar in den Ardennen. Jetzt ist Schluss mit sanftem Verwöhnen. Hier heißt es sich jetzt durchsetzen: der Kampf ums wenige Essen und der noch wichtigeren Rangliste unter der Sippschaft ist quasi pures Überleben. Heizung in dem verschneiten, harten Winter der 60er Jahre, gibt es nicht, Zuwendung ist Mangelware und doch gibt es immer wieder Lichtblicke, wie das gemeinsame Fußballspiel oder die unerwarteten Hilfen einiger "Mitleidenden". Patrick will jedes Jahr wiederkommen, denn hier kann er sein, was er ist: ein ganz normales wildes Kind. Als er erwachsen wird, wird er nicht Torwart oder Bahnhofsvorsteher, wie er es sich einst vorgestellt hat, sondern Diplomat und ausgerechnet in den blutigen Kämpfen des Kongos - wo er doch bei Blut in Ohnmacht fällt. Doch auch diese Aufgabe meistert er mit der seiner ganz eigenen Courage.

Ein herrliches Buch, geschrieben in der Sprache eines heranwachsenden Kindes und Jugendlichen. Klein aber sehr fein.

Der belgische Konsul, Amélie Nothomb, Verlag Diogenes


Auf der Suche nach sich selbst

Immer auf der Suche nach sich selbst sein, kann anstrengend sein. Da springt ,am mal von hier nach da und darum hat dieses Buch quasi keine Handlung. Efterpi, so der Spitzname der Autorin, ist ein Flüchtling, wie er im Buche steht. In den 70er Jahren flüchtet sie aus der Türkei, dem alt hergekommenen Orient, um in die große weite Welt kennen zu lernen. Der Leser erlebt sie in Paris oder Berlin und sonst wo, wo sie immer wieder bei Freunden und Bekannten in WG´s unterkommen kann. Heute nennt man das auch Couchsurfing. Die Szenerien bringt die junge Türkin ganz nah und ist so lebendig - teilweise jedoch mit Wiederholungen - geschrieben, dass man sich mitten im Geschehen fühlt. Interessant ist, wie sich derzeit schon von weitem gegen das Regime und die Gesellschaftsordnungen auflehnt und auf der anderen Seite die Schönheiten ihres Heimatlandes in Europa widerspiegelt.


Ein von Schatten begrenzter Raum, Emine Sevgi Özdamar, Verlag Suhrkamp

































Nettes für den Pool

Was waren das früher noch für strenge Sitten, als die jungen Damen der Gesellschaft nichts anderes als nett und gefügig sein sollten. Da war ein Mädchenpensionat genau das Richtige, um sie in dieses Schema reinzupressen. Doch wenn das Herz über die gesellschaftlichen Grenzen hinaus schlägt? Wie dieses Dilemma von Nora, Fanny, Agnes, Lotte und nicht zuletzt Gescha Petersen zu lösen ist, liest sich leicht und locker an zwei Nachmittagen an einem Pool. Mit open End, Fortsetzung folgt also.

Anna Perbrandt, Das Pensionat am Holstentor,

Verlag RORORO















Vergrabene, dunkle Erinnerungen

Da war doch etwas. Und da gab es eine dunkle Grenze, das sogenannte Sperrgebiet. Lost places -eigentlich erwartete die Anwaltsangestellte Milla bei ihrer privaten Suche etwas ganz anderes, als sie auf einen verschütteten Keller in einem Waldgebiet stößt. Doch so langsam aber sicher stößt sie auf die Vergangenheit einer großen Familie in einem ehemals ehrwürdigen Hotel. Doch so langsam aber sicher stellt sich heraus, dass nicht alle Mitglieder der Familie so ehrwürdig waren. Jedoch muss man sagen, dass die Zeiten und das Regime der aleten DDR bei so manchen ihre Moral über Bord werfen lies, um das eigene Überleben zu sichern. Nachdenklich werden lässt es mich als Leser, dass in den 70er Jahren, in meiner frühen Jugend, wo ich schon die ersten großen Freiheitsschritte machte, jenseits der Mauer davon überhaupt noch nicht die Rede war. Interessant zu lesen.

Was uns erinnern lässt, Kati Naumann,

Verlag Harper Collins


























Moralwechsel


"Die Reichen", über die wird ja gerne abgelästert, besonders wenn man sich in den sogenannten akademischen Kreisen befindet. Die Reichen sind unmoralisch, vor allem, wenn sie ihr Geld nicht selbst verdient haben. Doch meistens kommt es anders und zweitens als man denkt. Als die Sandmanns unerwartet den Genuss einer üppigen Erbschaft kommen, schlagen sie diese selbstverständlich auch nicht aus, sondern wandeln nicht nur ihren Lebensstil peu à peu mit Freude um, sie nehmen auch die Vorzüge des unter uns klüngeln an, um ein noch angenehmeres Leben zu führen. Doch man kann es ihnen nicht verübeln, denn ehrlich gesagt, wer würde es nicht annehmen.

In unseren Kreisen, Georg M. Oswald, Verlag Piper











In doppelter Gesellschaft

Unter jedem Dach ein Ach, aber ist dieses Ach schlimm und kann man es verurteilen? Ein Mann aus Antigua liebt seit seiner Jugend seinen besten Freund Morris und sie führen eine Beziehung. Trotzdem heiratet er nach seiner Auswanderung nach London eine Freundin aus der Kindheit und führen seitdem eine Ehe, die mehr schlecht als recht funktioniert, inclusive zweier Töchter. Beide profitieren davon, Barrington hat seine Familie und daneben Morris, inclusive einiger Affären, Carmel führt ein unglückliches Leben im Wohlstand und verschließt die Augen. Doch ist dies verwerflich? Nach wie vor haben wir in unserer Gesellschaft häufig noch verkrustete Strukturen, wo es verheiratete, gut situierte Paare eben einfacher haben. Doch irgendwann fällt so ein fragiles Kartenhaus in sich zusammen, nämlich dann, wenn es ein Beteiligter nicht mehr aushält. Interessant zu lesen, was sich oft auch vor unserer Nase abspielt - auch wenn die Sprache nicht jedermanns Sache ist.

Mr. Lovermann, Bernardine Evaristo, Verlag Tropen


























Emotionen über den Tod hinaus

Ein Kind ist eine Bereicherung - in der Regel. Keine Regel ohne Ausnahme. Damit die Ausnahme trotzdem im Endeffekt einen erfüllenden Aspekt hat, dazu gehört schon viel Kraft und Durchhaltevermögen.

Ein behindertes Kind bringt den Alltag einer „normalen Familie " durcheinander. Und alle Mitglieder reagieren unterschiedlich. Aus einer anfänglichen Ablehnung des großen Bruders entwickelt sich eine aufopfernde Hilfsbereitschaft, während die Schwester in ihrer Ablehnung verharrt. Die Eltern tun alles, um das Leben des Kindes irgendwie zu erleichtern – auch das der Familie, denn sie bringen es irgendwann in ein Heim, weil sie den Alltag nicht mehr schaffen. Dort stirbt es im Alter von 10 Jahren. Trotzdem bleibt die Familie von dem Schicksal beeinflusst. Sogar der später geborene Sohn kann sich den mittlerweile in Fleisch und Blut eingegangenen Verhaltensweisen nicht entziehen, bis es schließlich schafft, die Emotionen für sich zu gewinnen. Ein sehr emotionales und interessantes Buch, vor allem weil selbst mir nicht bewusst war, wie sehr ein behindertes Kind auch das Leben der später geborenen Kinder beeinflussen kann.

Brüderchen, Clara Dupont-Monod, Verlag Piper




Schein und Sein


Einige Menschen legen sich ihre Wahrheit ja gerne so zurecht, dass sie bei ihren Mitmenschen. Der schöne Schein muss schließlich gewahrt werden. So auch bei Nationalrat Dr. Stotz. Er hat schließlich eine unglaubliche Karriere hingelegt. Dessen Nachlass soll der junge Jurist Tom Elmer noch während dessen letzten Lebenswochen ordnen und sich vor allem das `traurige Schicksal´ um die Verlobte Melody anhören. Dass die weiße Weste nicht ganz so unbefleckt ist, wie anfänglich geglaubt und dass die Story um die Verlobte schöner zusammengebastelt ist als sie in Wirklichkeit war, kommt dabei wenig überraschend heraus. Schließlich sind die wenigsten Geschichten in Wahrheit so schön, wie es die Erzähler selbst gerne hätten.

Melody, Martin Suter, Verlag Diogenes













Ungerechte Welt



Dass Menschen, die anders aussehen, immer noch Probleme in manchen Gesellschaften haben, ist bekannt. Trotz Verbote diverser Bezeichnungen, was meiner Meinung nach sowieso nichts bringt. Die Unterdrückung der chinesischen Bevölkerung ist das Thema von Celeste Ng neuesten Werkes. Die Zerrissenheit in den Familien ist eindringlich beschrieben. Dass eine Mutter ihr eigenes Kind erst im Stich lässt und es dann mit seinen 13 Jahren emotional und intellektuell überfordert, ist weniger verständlich. Außerdem ist die Story zu sehr konstruiert und auch etwas zäh, was angesichts des eigentlichen Konfliktes, nämlich der chinesischen Unterdrückung, ja fast Rassismus in Amerika sehr schade ist.

Celeste Ng, Unsere verschwundenen Herzen, DTV Verlag


































































































































Mit Geduld und Scharfsinn


Fast erinnert die Vorgehensweise von Sörensen ein bisschen an den legendären Inspektor Columbo - man denkt man beim Lesen, warum er denn nicht in die Gänge kommt. Anfänglich zieht sich die Story, bis die vermeintliche Tat geschieht, auch werden die Fährten an langer Leine gezogen. Bis so langsam aber sicher Struktur in die ganze Sache kommt. Und es ist so häufig, wenn falsche Spuren gelegt werden. Da gibt es mehrere Beteiligte, die etwas zu verbergen haben und die den goldenen Schein wahren wollen. Warum fährt das Auto mit einem Täter in das einzige Fest, was das Kleinstädtchen zu bieten hat. Und warum wollen so einige Kleinbürger den beharrlichen Hauptkommissar so unbedingt loswerden? Katenbüll hat viel zu bieten, aber eher an schrägen Charakteren als an tollen Geschichten.

Sörensen sieht Land, Sven Stricker, Verlag Rowohlt





Der ganz normale Wahnsinn



Was ist normal und was nicht, wer bestimmt, was "Allgemeinwissen" ist und was nicht? Ein erfolgreicher Fotograph schlawienert sich durch Partyleben - natürlich mit Drogen und Alkohol - macht trotzdem Karriere und hat Sinn für Familie. Er steht seiner Mutter zur Seite, vor allem nach dem Tod seines Vaters. Auch wenn sie ihre Allgemeinbildung mit Heine und Chopin seiner mit Patti Smith etc. voranstellt - wer hat eigentlich festgelegt, dass dem so ist? Und er gründet schließlich seine eigene Familie, inklusive Sohn, und versucht ein einigermaßen bodenständiges Leben -auch mit pinkfarbenen Outfits - zu führen. Das gelingt nicht immer, Depressionen und Drogen übernehmen immer wieder das Ruder. Doch er kämpft sich mit Willen und der Unterstützung seiner Frau bis hin zu einer Therapie. Interessant zu lesen, wie man auch ein schräges, `normales´ Leben führen kann, was immer das auch heißen mag und wer dies beurteilen mag.

Toxic Man, Frédéric Schwilden, Verlag Piper





Venezianische Querverhältnisse


Wenn man den Schluss kennt, kann man den Anfang gar nicht mehr verstehen, ich als Mutter jedenfalls nicht. Irgendetwas stimmt nicht in der halb ehrenwerten venezianischen Familie Loredan. Warum ist der Sarg des Sohnes, der als Kind ums Leben gekommen sei, leer. Was hat ein englischer Journalist, bei dessem Auftauchen die Familie in Schockstarre gerät, mit dem Fall zu tun, ganz zu schweigen der harmlose Tourist? Nathan Sutherland, seines Zeichen Honorarkonsul in der Lagunenstadt kommt den ganzen Verstrickungen auf die Spur, ohne das Dolce Vita in Italien zu vergessen.

Das italienische Grab, Philip Gwynne Jones, Verlag rororo






















Die Wirrungen des jungen Lebens


Noch sucht sie sich selbst, die junge Anna, Nach ihrem Philosophiestudium begibt sie sich mit ihrem deutlich älteren Freund auf eine Italienreise. Dort verliebt sie sich in einen aristokratischen Intellektuellen, Matteo, weswegen sie ihren anderen Lover Leo - zunächst? - verlässt. Doch da sie selber nicht weiß, was sie will - zwar immer beraten durch eine imaginäre Alte "von der Bushaltestelle" , pendelt sie durchs eben, von Freund zu Liebhaber, und hängt quasi in den Bäumen. Der Tod ihres übermächtigen Vaters rüttelt sie zwar kurzfristig auf, um dann wieder halbherzig zu ihrem alten Leben in Hamburg zurückzukehren. Anfänglich schön und interessant zu lesen, verliert diese Geschichte etwas den roten Faden. Weiterführen des Lebens von Anna offen.

Die Frau in den Bäumen, Elisabeth Plessen, Verlag Berlin


























Das Epos des Lebens


Seine Sprache ist eine Leseweide, immer wunderbar, darin zu versinken. Ian McEwan versteht es, seine Leser*innen in seinen Bann zu ziehen, dabei ist der Inhalt des Buches fast nebensächlich. Aber eben nur fast. Was der Hauptdarsteller Roland Baines in seinem Dasein so alles erlebt, ist die gesamte Bandbreite eines Schicksals. Von der Klavierlehrerin verführt (ob dies das prägenste Element ist, lassen wir dahin gestellt) über die zunächst leidenschaftliche Ehe mit Alissa - der Lebensweg ihrer aber auch seiner Eltern , zieht er seinen Sohn Lawrence alleine auf, nachdem Alissa die beiden verlassen hat. Dazwischen werden immer wieder Episoden der Affäre mit der Klavierlehrerin Melissa berichtet. Dass er schließlich seine zweite Ehefrau Daphne - mitsamt ihrer Kinder - trifft, fängt ihn schließlich auf, auch wenn sie nicht lange überlebt. Ein wunderschönes Buch zu lesen - etwas weniger an Inhalt wäre allerdings mehr gewesen.


Ian McEwan, Lektionen, Verlag Diogenes










Der schöne Schein



Früher war die Cosmopolitan eine große Zeitungsnummer. Dann ,wie so oft, brach sie ein. Genau in dieser Zeit ergattert sich die junge Alice Weiss durch Kontakte einen Job als Chefredaktionsassistentin. Eigentlich schlägt ihr Herz für die Fotographie und später für einen Fotographen. Bis sie an ihr berufliches Ziel kommt, muss sie sich durch die Wirren und Intrigen bis hin durch das vermeintliche Glamourleben schlagen. Auch ihre ganz persönliche Problematik mit ihrer Familie, vor allem die der Mutter wird einfühlsam erzählt, auch wenn dies so gar nicht mehr in unsere Zeit passt. Schön zu lesen, vor allem, wenn man wie ich, aus dieser Modezeitschriftenwelt kommt und weiß, dass nicht immer alles Gold ist was glänzt.

Cosmopolitan, Zeit der Frauen, Renée Rosen, Verlag Rowohlt





Es ist nicht alles geschichtliches Gold, was glänzt

Die Familie Reichenheim ist eine angesehene Familie, in die die junge Anna Ende des 19. Jdh. einheiratet. Und wie das dann so ist, will sie für ihre sechs nur die besten Partien. Als ausgerechnet der älteste Sohn eine nicht standesgemäße Frau, Marie, - wie sie selber einmal war - heiratet, bricht sie den Kontakt ab. Um dieses noch zu toppen, führt er ein unsolides Leben - auch als er nach Amerika auswandert - und verschuldet sich immer wieder. Doch Marie hält zu ihrem Mann, selbst als bei der Rückkehr nach Deutschland auch noch ein uneheliches Kind entdeckt wird, welches sie als ihr eigen annimmt. Dann ändert sich die Zeiten vor und während des zweiten Weltkrieges, denn die Reichenheims sind Juden. Die Familie wird zerstreut und zerbricht teilweise - aber Marie schafft es, sich und ihren angenommenen Sohn, zu retten. Es ist einspannendes, aber ruhig erzähltes Buch mit einer interessanten Familiengeschichte.


Wellenflug, Constanze Neumann, Verlag Ullstein




Was zählt, ist die Freundschaft



Bei Freundinnen zählt meistens nur eines: die innere Verbundenheit und nicht der gesellschaftliche Status. Bea, Emma und Marissa haben alle ihr Päckchen zu tragen: Bea musste auf Druck ihrer Eltern ihr Baby zur Adoption freigeben...und kommt darüber natürlich nicht hinweg. Marissa hat sich in die Ehe mit einem gewalttätigen Mann gestürzt, vor dem sie zwar fliehen kann, aber nicht so richtig ihr Glück findet, Emma hat ebenfalls aus gesellschaftlichen Gründen ihre Künstlerkarriere aufgegeben, weil man - frau - es eben neben einer Familie nicht tut. Und wer immer so ein schwarzes Loch in sich fühlt, braucht seelische Stütze und dies geben sich die drei Frauen. Und wie das bei Judith Lennox so ist, wird am Ende fast alles gut. Doch bis dahin gibt es einige Auf und Ab´s.

Die Jahre unserer Freundschaft, Judith Lennox, Verlag Piper















Technik mit viel Tiefgang


Dass wir mehr unter Beobachtung stehen und kontrolliert

werden, teilweise sogar dirigiert, ist uns ja hinlänglich

bekannt. Offenbar ist dies jedoch nicht jedem recht. Chrysalis, ein milliardenschwerer Technologiekonzern will mit dem neuen Gerät Omega sogar tief in die menschliche Tiefe eingreifen und psychologische Verhaltensweisen beeinflussen. Doch kurz vor dem Lauch kommen drei Geschäftsführer auf mysteriöse Weise ums Leben. Dr. Jeremy Logan, seines Zeichen ein Ermittler der anderen Art, soll nun herausfinden, wer hinter den Toden - oder waren es Morde - steckt, und wie gefährlich wird dies nun für die Entwicklung der Menschheit.

Omega, Lincoln Child, Verlag Wunderlich

















Vermisst ohne wiedergefunden zu werden



Eigentlich stellt man sich die kriminalistische Ermittlungsarbeit strukturiert vor. Doch wie im wirklichen Leben wird man manchmal eines besseren oder auch schlechteren belehrt. Als die 19jährige Lilli verschwindet werden die verschiedensten Experten, Kommissare und Ermittler hinzugezogen - selbstverständlich auch alle mit ihren eigenen geheimen Problemen. Dass dabei keine wirklichen Aufklärungen gefunden werden, ist schon fast absehbar, vor allem, da wieder irgendwelche Parallelhandlungen aufgezogen werden, die auch nicht wirklich zur Lösung des Falls beitragen. Si muss man auf das nächste Buch der Trilogie des Krimis warten. Ich für meine Person hätte jedoch gerne zumindest einen Fall am Ende des Buchs aufgeklärt. Karen Sander, Der Strand , Vermisst, Verlag Rowohlt, rororo



Zusammen ist besser als allein unglücklich


Jeder hat sein Päckchen zu tragen, das ist bekannt. Ein bisschen schwermütig wird ein Buch, wenn zu viele Menschen mit negativen Belastungen zusammen kommen. Eine Art Therapiehotel hat Valentin geschaffen, in dem jetzt alle Beteiligten - Hempel mit Marathon/Flugangst, Friederike, die ihr Baby nicht lieben kann, Valentin selbst, Linda und einige andere zusammen kommen, um sich gegenseitig zu helfen. Dass da keine Leichtigkeit aufkommen kann ist ersichtlich, aber manche Leser finden sicherlich Gefallen auch daran, vor allem, wenn sie sich selbst wieder erkennen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss...wenn doch ein Licht am Horizont auftaucht.

Nicht aus dieser Welt, Anne Köhler, Verlag Dumont





Das böse Schein und das bessere Sein


Dass häufig nicht alles so ist, wie es nach außen scheint, ist hinlänglich bekannt. Dass das echte aber so gemein ist, ist manchmal schwer vorstellbar. Und das deswegen drei Menschen sterben müssen, ist eigentlich unverzeihlich. Als in den 80er Jahren ein Autounfall passiert und durch diese Tragödie noch weitere Dramen passieren, wird in diesem Buch mit viel Finesse beschrieben. Heute ist es fast unvorstellbar, dass man nicht so leben darf wie man möchte. Das ist das Eine. Dass ein Mensch jedoch mit Niedertracht fünf Menschenleben zerstört, um seine eigene, armselige Existenz zu retten kann man nur verurteilen. Verwickelt sind Martin, Connor, Ellen und leider einige mehr, was Graham Norton mit viel Fingerspitzengefühl beschreibt.

Heimweh, Graham Norton, Verlag Rowohlt, rororo, Kindler















Fragwürdige Hilfsbereitschaft



Die Gefahren lauern überall und man ist vor nichts gefeit - selbst wenn man Hilfsbereitschaft bekundet. Die Gefahr muss Zelda machen, die per se schon traumatisiert ist durch den Selbstmord ihres ersten Ehemannes, Vater ihres ersten Sohnes, und ihren Hochzeitstag mit dem zweiten Ehemann, Bor, just am 9/11 in New York, deren Ereignis die mittlerweile 5köpfige Familie hautnah mit erlebt. Dann stellen sie eine somalische, moslemische Nanny, Amal, ein, die während des Gesangswettbewerbs ihren Schleier abnimmt - und das dramatische Schicksal nimmt seinen Lauf bis zum tragischen Ende. Zwischendurch gelingt es Jessica Durlacher immer noch einige heitere, ganz normale, auch schwierige Familienerlebnisse zu berichten, die alle, die heranwachsende Kinder haben, nur zu gut kennen


Jessica Durlacher, Die Stimme, Verlag Diogenes